Zuordenbarkeit mit Anonymität

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5 Monate 4 Tage her #177003 von Lizzzy
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Liebe LimeSurvey-Community,

ich bin wieder mal auf eure Hilfe angewiesen.

Demnächst starte ich mit meiner Masterarbeitsumfrage durch.

Aufgrund der in Kraft getretenen DSGV ist mir Anonymität sehr wichtig - doch aufgrund des Wiederrufrechts muss ich Fragebögen von Personen, die von diesem Recht Gebrauch machen, löschen können.

Um einzelnen Fragebögen löschen zu können, muss ich ja mit Zugangscodes arbeiten, denn ansonsten kann ich die Fragebögen niemandem zuordnen.
Wenn ich aber mit Zugangscodes arbeite, weiß ich ja wer welchen Fragebogen ausgefüllt hat und ich gewähre somit keine Anonymität mehr.

Gibt es nun irgendeine Möglichkeit Anonymität zu gewähren und trotzdem im Falle des Falles Fragebögen zuordnen zu können z.B. Wenn Codes nur von den Befragten gesehen werden können und Personen welche ihren Fragebogen löschen wollen, mir diesen erst zusenden müssen und dann kann ich erst den aufgefüllten Fragebogen zuordnen ??

Ihr würdet mir mit Antworten sehr helfen und ich wäre euch unglaublich dankbar.

Liebe Grüße
Lizzzy

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5 Monate 4 Tage her #177006 von jelo
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Lizzzy schrieb: z.B. Wenn Codes nur von den Befragten gesehen werden können und Personen welche ihren Fragebogen löschen wollen, mir diesen erst zusenden müssen und dann kann ich erst den aufgefüllten Fragebogen zuordnen ??

Dein Idee ist gut und stellt auf den ersten Blick eine gute Lösung dar.

Technisch könnte das klappen, wenn am Anfang eine GUID (gobale, einzigartige ID) angezeigt wird, den der Proband notieren kann. Ich habe es noch nicht völlig durchdacht.

Aber psychologisch sehe ich das Problem, wenn Du Probanden eine ID/Code zum Notieren anbietest.
Der Widerspruch zwischen ID notieren, aber trotzdem anonym sein (nicht verknüpft mit der Person, sondern nur den Antworten), wird vielen Probanden "komisch" anmuten. Viele werde sich den Code nicht notieren, aber trotzdem nachfragen.

DS-GVO verlangt nicht die Löschung von Daten, die einer Person nicht zugeordnet werden können (das bei Abfrage von Merkmalen wie Standort, Geschlecht etc. eine Zuordnung erleichtert wird, macht die Sache nicht einfacher. Besondern "Art. 9 DSGVO Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten" ist beim Fragebogen zu prüfen.

Aber wenn Du zur Deiner Befragung identifizierende Merkmale nicht brauchst, dann muss Du die auch nicht extra einführen (vgl. Art. 11 DSGVO Verarbeitung, für die eine Identifizierung der betroffenen Person nicht erforderlich ist).

Also Rechte wie Art. 15 DSGVO Auskunftsrecht der betroffenen Person finden dann keine Anwendung.
Neben Auskunftsrechten gilt es dann ja auch andere Rechte der Probanden zu erfüllen.

Da Du eine Masterarbeit schreibst, solltest Du auch die Vorgaben vom Datenschutzbeauftragter der Uni anschauen.

Meine Empfehlung: Kein Code anbieten und anonyme Tokenbefragung machen.
Du hast es schon schwer genug, die Leute zu überzeugen, dass der Token nicht zur Idendifizierung verwendet werden kann.

The meaning of the word "stable" for users
www.limesurvey.org/forum/development/117...ord-stable-for-users
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5 Monate 3 Tage her #177037 von Joffm
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Hallo, Lizzzy,

zugegeben, ich tue mich mit einer Antwort etwas schwer.
Ich argumentiere eben immer aus der Sicht des Marktforschers.

Zunächst einmal drei Artikel von Erich Wiegand, ehem. Geschäftsführer des ADM (Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute)
Artikel 1
Artikel 2
Artikel 3

Damit kommen wir dann zu "Berechtigtes Interesse oder Einwilligung"


Als Erlaubnisnorm kommt für die Marktforschung weiterhin die Einwilligung in Betracht (Art. 6 Abs. 1 Lit. a DSGVO). Daneben wird sich die Zulässigkeit auf das berechtigte Interesse des Auftraggebers stützten können (Art. 6 Abs. 1 Lit. f DSGVO). Für die Marktforschung mit Gesundheitsdaten wird Art. 9 DSGVO zu berücksichtigen sein.

Marktforschung als wissenschaftliche Forschung

Außerdem wird es bei der datenschutzrechtlichen Beurteilung eine Rolle spielen, ob die Marktforschung unter dem Begriff der wissenschaftlichen Forschung nach Art. 89 Abs. 1 DSGVO zu subsumieren ist. Dies wird bisher in der Literatur und dem ADM Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute e.V. vertreten. Mit der Anwendbarkeit des Art. 89 DSGVO können sich für die Marktforschung weitere Privilegierungen ergeben:
  • Daten könnten für Sekundärzwecke genutzt werden (Art. 5 Lit. b DSGVO)
  • Daten können auch nach Zweckerreichung gespeichert werden (Art. 5 Lit. e DSGVO)
  • Von Betroffenrechten können Ausnahmen gemacht werden (Art. 89 Abs. 2 DSGVO)
aus: www.datenschutzbeauftragter-info.de/date...s-aendert-die-dsgvo/

Für die Markt-und Meinungsforschung spricht also das wissenschaftliche Vorgehen und das berechtigte Interesse; insbesondere da ja weitaus schärfere Standesregeln existieren.

Im Artikel 89 werden ja Ausnahmen definiert:
"können vorbehaltlich der Bedingungen und Garantien gemäß Absatz 1 des vorliegenden Artikels im Unionsrecht oder im Recht der Mitgliedstaaten insoweit Ausnahmen von den Rechten gemäß der Artikel 15, 16, 18, 19, 20 und 21 vorgesehen werden, als diese Rechte voraussichtlich die Verwirklichung der spezifischen Zwecke unmöglich machen oder ernsthaft beeinträchtigen".

Hier ist nun Artikel 17 (Recht auf Löschung) nicht erwähnt.
Artikel 17 sagt jedoch in Absatz 3:
"Die Absätze 1 und 2 gelten nicht, soweit die Verarbeitung erforderlich ist
...
für im öffentlichen Interesse liegende Archivzwecke, wissenschaftliche oder historische Forschungszwecke oder für statistische Zwecke gemäß Artikel 89, Absatz 1, soweit das in Absatz 1 genannte Recht voraussichtlich die Verwirklichung der Ziele dieser Verarbeitung unmöglich macht oder ernsthaft beeinträchtigt,
..."


So sieht es also aus.

Der Rest liegt eigentlich wieder bei Dir.
Die Möglichkeiten von LS sind bekannt.

Eine Idee hätte ich noch.
Lass den Befragten einen von ihm zu bestimmenden Code eingeben ("kurze Textfrage")
Wenn er dann auf die Idee kommt "Ach, das möchte ich dann doch nicht", muss er Dir diesen Code nennen und Du kannst den Datensatz löschen.

Problem: Du musst deutlich darauf hinweisen, dass der Proband sich diesen Code merken, aufschreiben muss.
Das könnte ihn animieren, dies dann auch zu benutzen.
(Aber vielleicht kommt da nur meine kleine anarchistische Ader durch)

Bis dann
Joffm


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5 Monate 3 Tage her #177038 von jelo
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Joffm schrieb: Lass den Befragten einen von ihm zu bestimmenden Code eingeben ("kurze Textfrage"). Wenn er dann auf die Idee kommt "Ach, das möchte ich dann doch nicht", muss er Dir diesen Code nennen und Du kannst den Datensatz löschen.

Wie stellt man sicher, dass nicht zwei Probanden den gleichen Text eingeben?

Joffm schrieb: (Aber vielleicht kommt da nur meine kleine anarchistische Ader durch)

Anarchie wird sicherlich vorhanden sein, wenn zwei Probanden den gleichen Code eingeben und dann ihre Daten exportiert haben wollen.

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5 Monate 3 Tage her #177041 von holch
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Wie stellt man sicher, dass nicht zwei Probanden den gleichen Text eingeben?


Nicht nur das, sobald der Code an dich geschickt wird ist es vorbei mit der Anonymität. Dann weisst du, wer diese Antwort gegeben hat.

Ich bin der Meinung, dass wenn keine Identifizierung möglich ist, auch nichts gelöscht werden kann / muss. Wie soll das auch gehen. Entweder es ist anonym, dann kann ich keine Daten indentifizieren oder ich es ist nicht anonym, dann geht es natürlich im Nachhinein die Daten zu löschen.

Selbst wenn das Umfragetool einen Code erstellt und dann mit diesem Code es ermöglicht die Daten zu löschen (ohne über eine Person zu gehen), dann gibt es eben das Problem, dass der Code alleine ausreicht, denn eine Identifikation der Person haben wir ja nicht. D.h. ein Hacker kann dann schön Daten löschen, wenn er die Struktur dieser Codes kennt, einfach per Zufallsprinzip und Masse.

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Some helpful links: Manual (EN) | Question Types | Workarounds
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5 Monate 1 Tag her #177074 von Lizzzy
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Hallo Jelo,

vielen lieben Dank für deine Kommentare und Hilfe. Du hast mir sehr geholfen!
Ich tendiere derzeit auch sehr dazu die personenbezogenen Daten aus meiner Befragung zu löschen, und diese somit so einfach wie möglich zu halten.

Da ich ein LimeSurvey-Neuling bin wollte ich dir noch eine kurze Frage zu foldendem Zitat stellen:


Meine Empfehlung: Kein Code anbieten und anonyme Tokenbefragung machen.
Du hast es schon schwer genug, die Leute zu überzeugen, dass der Token nicht zur Idendifizierung verwendet werden kann.[/quote]

Was genau ist eine Tokenbefragung?
Ist es das, wenn ich einfach die generelle Umfrage-URL per Mail an meine Befragten aussende ohne generierte Zugangsschlüssel?

Ich bedanke mich schon mal für deine Antwort.

Liebe Grüße
Lizzzy

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5 Monate 1 Tag her #177076 von jelo
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Lizzzy schrieb: Was genau ist eine Tokenbefragung?

Token = Zugangsschlüssel

Das technische Konzept, dass der Zugangsschlüssel NICHT in den Ergebnissen gespeichert wird, ist für Probanden oft nicht nachvollziehbar.

Abwägung ist für Dich: Wie wahrscheinlich ist eine Mehrfachausfüllung durch Probanden?
Wie breit wird der Link zur Befragung möglicherweise geteilt?

Befragung ohne Zugangsschlüssel
Befragung mit Zugangsschlüssel (Anonym)
Befragung mit Zugangsschlüssel (Nicht anonym)

Befragung ohne Zugangsschlüssel
Anonymität für Probanden nachvollziehbar, Mehrfachausfüllung möglich, Zugang kann nicht limitiert werden, Probleme bei der Befragung können nicht immer nachvollzogen werden

Befragung mit Zugangsschlüssel (Anonym)
Anonymität für Probanden nicht nachvollziehbar, Mehrfachausfüllung wird verhindert, Zugang wird limitiert, Probleme bei der Befragung können nicht immer nachvollzogen werden

Befragung mit Zugangsschlüssel (Nicht anonym)
Anonymität für Probanden nicht nachvollziehbar, Mehrfachausfüllung wird verhindert, Zugang wird limitiert, Probleme bei der Befragung können meist nachvollzogen werden (Proband meldet Probleme, Ergebnisse sind einsehbar).

Die Anoymität der Ergebnisse muss Du selber sicherstellen. Wenn jemand in einer offenen Frage seinen Namen einträgt, dann verhindert das keine Technik vorab. Oder Du Merkmale abfragst, die nur wenige Probanden haben (Geschlecht, Alter, Ort und Tätigkei in Kombination sind bei Firmen schon ausreichend). Der Schritt Datencheck und Erstellung von bereinigten Rohdaten ist Dein Job.

Derzeit bleibt meine Empfehlung bei: Befragung mit Zugangsschlüssel (Anonym).

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